Im Mittelpunkt steht der Mensch – Marion Santl (Mitte), Leiterin der Caritas Fachambulanz für Suchtprobleme im Gespräch mit den Teilnehmenden der Weiterbildung zum „Betrieblichen Berater für Sucht und psychische Gesundheit“(Foto: H.C. Wagner)
Regensburg - Jeder zehnte Arbeitnehmer in Deutschland ist suchtgefährdet. Das verdeutlicht: Suchtprobleme machen auch vor Werkstoren und Bürotüren keinen Halt. Die Folgen sind erhöhte Fehlzeiten, eine steigende Anzahl von Arbeitsunfällen, Frühverrentung. Der betriebswirtschaftliche Schaden wird bundesweit auf über 30 Milliarden Euro geschätzt, so lauten Zahlen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen. Bei der Fachambulanz für Suchtprobleme im Caritasverband Regensburg ist jetzt zum wiederholten Mal die 210 Stunden umfassende Weiterbildung zum "Betrieblichen Berater für Sucht und psychische Gesundheit" erfolgreich angelaufen.
"Abhängigkeit ist eine Krankheit und kann jeden treffen", sagt Marion Santl, Leiterin der Caritas Fachambulanz. "Es ist immer wieder beeindruckend, wie motiviert die Teilnehmenden sind, um mehr über Abhängigkeitserkrankungen und psychische Gesundheit zu erfahren. Egal aus welcher Branche, von der Automobilindustrie über den Gesundheitssektor zu kulturellen Betriebe: Alle sind mit Engagement und Herzblut dabei Menschen in ihrem betrieblichen Umfeld zu unterstützen und Präventionsarbeit zu leisten", attestiert sie den Teilnehmenden.
Studien zeigen: Riskant Konsumierende sind dreieinhalbmal häufiger in Arbeitsunfälle verwickelt als ihre Kollegen und sie fehlen 16 Mal häufiger, was 25 Prozent weniger Leistung bedeutet. Bei jeder sechsten Kündigung spielt das Thema Alkohol eine Rolle. Überhöhter Alkoholkonsum ist mit 80 Prozent der Fälle nach wie vor führend, was Sucht am Arbeitsplatz angeht. Oft wissen Kolleginnen und Kollegen zuerst Bescheid, wenn in ihrem beruflichen Umfeld jemand sich verändert und Probleme hat. Die Arbeitsatmosphäre und den Betriebsfrieden kann dies erheblich belasten. Dies wirkt sich auf die Zusammenarbeit und Effizienz der Arbeit aus. Dazu kommt die Fürsorgepflicht eines jeden Arbeitgebers seinen Mitarbeitenden gegenüber. Je früher Vorgesetzte betroffene Mitarbeitende ansprechen, desto eher kann Leid vermieden, Chronifizierungen von Krankheiten vorgebeugt und Kosten gespart werden. Oft wird zu spät gehandelt, weil eine Unsicherheit mit dem Thema und im Umgang mit Betroffenen sind.
Die Weiterbildung zum Betrieblichen Berater für Sucht und psychische Gesundheit hat einen Umfang von insgesamt 210 Stunden, aufgeteilt auf fünf Kursmodule. Pro Kurs nehmen in der Regel zwölf Personen teil. Bei abgeschlossener Fortbildung wird ein Zertifikat ausgehändigt. Die Kursmodule umfassen Grundlagen zum Thema Abhängigkeiten und psychische Erkrankungen, Behandlungsmöglichkeiten und das Suchthilfesystem, Supervision und Praxisanleitung, Stressmanagement sowie Hospitation in Facheinrichtungen und Selbsthilfe.
Insgesamt ist die Weiterbildung ein positiver Rahmen und bietet wertvolle Inhalte für die Teilnehmenden. "Ich fühle mich aufgehoben, informiert und motiviert für meine berufliche Tätigkeit", steht auf einem der Bewertungsbögen zum Seminar zu lesen.