Jack Bryant (li.), 2. Vorsitzender, und Schriftführer Hugo Wagner (re.) von Maroni Wunschbaum e.V. übergeben im Innenhof der Caritas Notunterkunft NOAH-deinTagNachtHalt die Sportartikel an Einrichtungsleiterin Barbora Pokorny (2.v.li.) und Betreuungsassistentin Anette Bayer (3.v.re.). Zwei Bewohner der Notunterkunft sind ebenfalls dabei.
(Foto: Susanne Schophoff)
Regensburg. 20 Euro täglich Taschengeld. Bäume fällen. Eine neue Regierung in Ungarn. Fußballtore und Krafttraining im Innenhof. All das sind Wünsche und Ideen von Obdachlosen, die in der Caritas Notunterkunft NOAH-deinTagNachtHalt leben.
In einer Hauskonferenz haben sie diese offiziell dem Mitarbeiterteam vorgebracht. "Manche Wünsche sind unrealistisch", sagt die Einrichtungsleiterin Barbora Pokorny. "Andere aber haben wir gerne aufgenommen. Es geht um Partizipation. Unsere Bewohner sollen merken, dass sie mitgestalten und mitwirken können."
Mitgestalten und mitwirken
Die Hauskonferenz fand vor einigen Wochen statt, vorbereitet haben sie zwei FH-Studenten der Sozialen Arbeit, die in der Notunterkunft ihr Praxissemester machten. Der Anlass aber lässt sich auf eine Initiative der Bundesregierung zurückführen.
440.000 Menschen leben in Deutschland laut Bundesministerium für Wohnen in Unterkünften der Wohnungslosenhilfe. Für sie hat das Ministerium Anfang des Jahres den "Leitfaden für die Unterbringung wohnungsloser Menschen" veröffentlicht. Es sind Empfehlungen, keine Pflichten. Kommunen und Träger von Einrichtungen in der Wohnungslosenhilfe sind eingeladen, sich daran zu orientieren.
Demokratie im Kleinen
Die Leiterin der Caritas Notunterkunft, Barbora Pokorny, erklärt: "Das Mitspracherecht der Bewohner spielt eine zentrale Rolle. Es geht um Selbstwirksamkeit und Teilhabe." Es geht also um Demokratie im Kleinen. "Vor diesem Hintergrund haben wir nach mehreren Jahren Pause mal wieder eine Hauskonferenz organisiert", sagt Pokorny. "Mit vollem Erfolg."
25 Obdachlose nahmen bei der Hauskonferenz teil. Das Mitarbeiterteam erklärte Abläufe und Regeln, begründete diese und lud schließlich dazu ein, Kritik sowie eigene Ideen und Wünsche zu äußern. Die Bewohner der Notunterkunft beteiligten sich rege. Ein Wunsch setzte sich schließlich durch: der nach Sportangeboten und vor allem Krafttraining im Innenhof. Doch wie lässt sich das umsetzen?
Maroni Wunschbaum e.V. spendet Sportartikel im Wert von 500 Euro
Barbora Pokorny wandte sich an den Regensburger Verein Maroni Wunschbaum e.V. Der Verein hatte sich bereits mehrmals hilfs- und spendenbereit gezeigt. Und auch diesmal nahm Vorsitzender Bernhard Meyerhofer die Idee sofort mit in die nächste Vereinssitzung: Auch dort kam es zu einer demokratischen Abstimmung. Der Einkauf von Sport- und Freizeitartikeln durch Spendenmittel in Höhe von 500 Euro wurde einstimmig beschlossen.
Einige Wochen später, ein Montag im April, die Frühlingssonne lugt in den Innenhof der Notunterkunft, ist Übergabe. Da sind Federballschläger, Fußballtore, Pfeil und Bogen - und eine Fitnessstange für Klimmzüge.