„Pflege fängt mich auf.“ Angela, 82, lebt im Caritas Alten- und Pflegeheim Fritz Gerlich in Regensburg. (Foto: Susanne Schophoff)
Regensburg/Donaustauf. Wer krank ist, noch dazu alt, fällt an manchen Tagen in ein Loch. Das weiß Angela, 82, Bewohnerin des Caritas Pflegeheims Fritz Gerlich in Regensburg. Ein neuer Tag erstreckt sich vor ihrem Pflegebett. Wozu aufstehen? Ihre Antwort: wegen der Begegnungen.
Angela ist eine von knapp sechs Millionen Menschen in Deutschland, die auf Pflege angewiesen sind. Der Welttag der Kranken am 11. Februar lenkt den Blick auf ihr Leben - und auf jene, die sie begleiten. Das Motto 2026, "Das Mitgefühl des Samariters: Lieben und den Schmerz des Nächsten tragen", bringt auf den Punkt, was Pflege im Kern bedeutet: Nähe, die trägt.
Pflege, die auffängt
Angela lebt seit dem Frühjahr 2025 im Pflegeheim. Jahrzehntelang führte sie ein selbstbestimmtes Leben. "Ich wusste immer, was ich wollte", sagt sie. Nach einer Krebserkrankung und schließlich der Diagnose der Nervenkrankheit Polyneuropathie, ging es irgendwann nicht mehr ohne Unterstützung. Der Umzug ins Heim fiel ihr schwer, war von vielen Vorurteilen begleitet - welche bald widerlegt waren. "So nette, so hilfsbereite, so empathische Leute", sagt sie heute über die Pflegeprofis im Haus. "Im Alter gibt es Tage, an denen man in ein Loch fällt. Aber hier sind Menschen, die dich auffangen."
Pflege, die bleibt
Auch Maria (Name geändert), 81, ist auf Pflege angewiesen. Früher war sie Krankenschwester, heute ist sie selbst Patientin. Sie lebt in einem Einfamilienhaus, barrierefrei im Erdgeschoss, unterstützt vom ambulanten Pflegedienst der Caritas Sozialstation Herz Marien. "Allerhand", sagt sie lakonisch auf die Frage nach ihren Krankheiten. Eine Pflegefachfrau hilft bei der Körperpflege, hört zu, gibt Rat, denkt mit. "Mehr als nötig", sagt Maria dankbar. Für sie ist Pflege Verlässlichkeit. Und Würde im eigenen Zuhause.
Pflege, die Perspektive gibt
Michelle, 29, lebt mit 20 Prozent Lungenfunktion und ist Patientin im Caritas Krankenhaus St. Maria in Donaustauf. (Foto: Katharina Schub)
Dass Pflege kein Thema des Alters allein ist, zeigt Michelle. Die 29-Jährige lebt mit nur noch 20 Prozent Lungenfunktion. Ihr Alltag ist geprägt von Atemtherapie, begrenzter Belastbarkeit - und Lebenswillen. "Beklemmend", nennt sie ihr Lebensgefühl. Und wirkt dabei ganz anders: offen, herzlich, humorvoll.
Ihre Erfahrungen teilt sie auf ihrem Instagram-Kanal @_miichellesophiie, dem knapp 22.000 Menschen folgen. Sie schätzen ihre direkte Art, ihre Offenheit auch in schweren Momenten. "Authentisch herrlich ehrlich", schreibt eine Followerin. "Du stehst für Sichtbarkeit von Behinderungen", eine andere. Michelle zeigt den Alltag mit Krankheit, ohne ihn zu beschönigen - und ohne sich darauf reduzieren zu lassen.
Seit ihrer Jugend wird sie im Caritas-Krankenhaus St. Maria in Donaustauf medizinisch und pflegerisch begleitet. Pflege bedeutet für sie Entlastung: Kräfte besser einteilen, Überforderung vermeiden, Halt finden. "Ich habe die Klinik immer im Hinterkopf", sagt sie. "Wenn die Lunge wieder mehr Probleme macht, weiß ich: Wir kriegen das zusammen hin."
Pflege heißt begegnen
Diözesan-Caritasdirektor Michael Weißmann hat einst den Beruf des Krankenpflegers gelernt. (Foto: H.C. Wagner)
Rund 2.000 Pflegefachpersonen arbeiten für die Caritas in der Region Regensburg - in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Tagespflegen und der ambulanten Pflege. Diözesan-Caritasdirektor Michael Weißmann, selbst examinierter Krankenpfleger, sagt: "Pflege ist hochprofessionell. Aber es gibt etwas, das kein Lehrbuch vermittelt: das Geschenk der Zuwendung." Die Erkenntnis, dass Schwäche nicht verachtenswert ist - sondern eine Einladung zur Begegnung.